Donnerstag, 16. Mai 2013

Früchtepflücken in Tasmanien




Spätzleshaker zu Weihnachten bekommen. Das Resultat!

Am 06.01.2013 nahm ich dann die Fähre nach Tasmanien, einer kleinen Insel südlich von Melbourne. Eigentlich ist Fliegen die deutlich schnellere, komfortablere und sogar günstigere Variante, aber dann hätte ich mein Auto nicht mitnehmen können. Der Grund für die doch recht spontane Abreise- das Ticket wurde 4 Tage vorher gekauft- war, dass Wing (der Chinese aus Perth), mir dort einen Fruitpickingjob gesichert hatte. Das ganze passte dann zufällig auch in meinen ursprünglichen Plan, noch nach Tasmanien zu gehen, den ich Dank dem Küchenjob eigentlich schon über den Haufen geworfen hatte. Das Beste an der Sache war aber: Sobald ich zurück nach Melbourne kam, hätte ich den Job dort wieder sicher. Ich begab mich also auf einen dreiwöchigen Urlaub zum Arbeiten sozusagen.

Klärte sich am Mittag.
Vormittags fuhr ich in Melbourne dann also auf die Fähre, verbrachte dort 9 Stunden mit Film schauen beziehungsweise eher störenden Entertainern und fuhr am späten Nachmittag in Devonport dann wieder runter. Weiter ging der Plan dann auch nicht, außer, dass ich Wing anrufen sollte. Der wusste aber auch nicht so Recht weiter und nach einigem hinundher bekam ich dann die Nummer von Thomas (einem Malaysier), der den Weg zum Farmcampingplatz in der Nähe von Deloraine kannte. Und da fuhr ich dann auch hin. Das schöne an der Sache mit dem Farmcapmingplatz ist nämlich, dass der kostenlos ist.
Als ich dort dann ankam, war es bereits dunkel. Dort angekommen gesellte ich erst Mal zu einem Nest voller Taiwanesen, die aber alle sehr sehr nett waren und mir als aller erstes ein Bier in die Hand drückten. Sehr sympathische Menschen. Die erklärten mir dann auch grob, wie die Arbeit morgen ablaufen würde. Anfangen würde es um 6:30 Uhr. Also gings an diesem Abend auch recht früh ins Bett, aber natürlich nicht, bevor ich auch noch mit den nicht- taiwanesichen Campbewohnern eine erste Bekanntschaft gemacht hatte. Außerdem gab in dem Camp nur abends 3 Stunden Strom und heißes Wasser aus dem Damm daneben zum Duschen.

Einer von zwei kleinen Dämmen.

Dusche (rot, links), Spülraum (braun, mitte) und Stromraum (rechts, weiß).


Der nächste Morgen war grausam. Um die Uhrzeit wird es nachts im tasmanischen Busch nämlich saumäßig kalt. So richtig richtig kalt, meine ich damit. Ich war zwar immerhin durch mein Auto windgeschützt und hatte es so gesehen sogar noch etwas besser, als meine zeltenden Genossen. Mein billiger Schlafsack ließ mich dann aber doch heftigst zittern. In den meisten Nächten wachte ich sogar immer mal wieder auf, bevor mein Wecker klingelte, weil es einfach so mieß kalt war, selbst, als ich mir dann eine Fleece- Decke dazu kaufte und im Pullover schlief. An ganz blöden Tagen regnete es dann auch noch wie aus Eimern gegossen und machte alles noch ungemütlicher. Frühstück gabs dann meist noch in den Schlafsack eingewickelt so halb im Sitzen. So weit das in einem Autokofferraum eben geht. Ab und an gabs zu der ganzen Brühe dann auch noch Nebel und das wiederum sah dann sehr schön mystisch aus, wenn die ganzen Menschen durch die Schwaden wanderten und die Tümpel vor sich hin dampften. Dann war auch immer alles ganz still, was ich morgens ja sehr gerne habe.

Weg zur Arbeit...

Die Arbeit an sich ist furchtbar stumpf. Erdbeeren sind das größere Übel, denn für die muss man sich stundenlang vornüber bücken, um sie zu pflücken. Neben dem Pflücken an sich musste ich die Beeren auch verpacken und abwiegen. Anfangs verdiente ich noch recht ordentlich, aber irgendwann war leider kaum noch etwas an den Büschen zu holen, weil die Saison sich langsam dem Ende neigte. Dann wurde für drei Stunden am Morgen gepflückt und der Rest des Tages war frei. Pro Tag hat man dann halt so 20$ verdient, was nicht sonderlich toll ist.

Teil der Beerenplantage


Wing hat sie gefunden, als sie noch nicht geschlüft waren.

Abgesehen von dem eigentlichen Job waren die drei Wochen in Tasmanien aber sehr schön und entspannt und das Camp sehr freundlich. Nachts konnte man bei wolkenlosem Himmel sogar die Milchstraße sehen, was auch der Grund für einige Nächte Besuch von Wingleung war, der eigentlich in einem Sharehouse in Launceston lebte.
Sonst verbrachte ich die meiste Zeit mit Nathaniel (‚Nait‘), einem Australier, der einige Jahre zuvor Europa bereist und Deutsch studiert hatte. Da trifft man mal einen Australier und dann will der Deutsch mit dir reden.  Nait war ein unglaublich netter (und schwuler) Kerl, der ein wenig Abseits von allen anderen sein Zelt aufgeschlagen hatte, um ein wenig Privatsphäre zu halten. Wingleung taufte seine kleine Ecke „Nait- Camp“, was sehr gut passte. Im Nait- Camp wurde viel gekocht, gequatscht und vor allem heiße Schokolade getrunken. Das mit dem Kochen verzögerte sich aber manchmal, da Nait kurzfristig abgelenkt wurde und dann noch für eine Stunde japanisch lernte. Kein Witz. Ist zweimal passiert. Er ist sehr Sprachbegeistert und spricht auch viele verschiedene. Da wir meistens zusammen kochte, kauften wir auch meistens zusammen in Deloraine ein, was sich ohnehin ergab, da Nait kein Auto hatte und ich ihn deswegen immer mitnahm (er war praktischer Weise auch mein Wegweiser, denn meine Orientierung... ja, ihr wisst schon).

Nait- Camp, oft von kleinen Wallabies belagert, wie auch der Rest des Camps...
Wenn gerade nicht gekocht wurde, habe ich Meistens gelesen oder sogar mal etwas gebloggt, beziehungsweise mit Lauren in Melbourne getextet, die mich topinformiert hielt über alles, was im Hostel und unserem Stammcafé passierte. Aber eher lesen, vor allem George R. R. Martins drittes Buch „A Storm of Swords“ aus der Serie „A Song of Ice and Fire“, welche ich zu Beginn meiner Australienreise begonnen hatte. Das Buch war viel zu schnell durch und sehr genial. Kann die Serie nur Empfehlen, wenn man genug Zeit hat, sie sich durch zu lesen. Sind 5 mega fette Bücher, die in den meisten Sprachen alle auf 2 Bände aufgeteilt werden- und es kommen in den nächsten Jahren noch (vorraussichtlich) mindestens 2 weitere Bücher.

Mein Heim. Wing hat mir dann noch ein Zelt geschenkt, in welches ich die Sachen links dann verstaute.

Es gab auch fast täglichen einen Mittagsschlaf bei geöffnetem Kofferraum- also schön im Schatten und windgeschützt. Neben der Farm gab es auch ein Café, in dem man sich sehr leckere und große Himbeermilkshakes kaufen konnte. Einer hat sich komplett in meinem Auto verteilt, als ich die Kurve in den Campingplatz etwas spontan nahm. Gab dann eine spontane Putzaktion, bei der 3 Leute mithalfen, damit mein Auto nicht nach gammeliger Milch zu stinken beginnt. Das waren so viele, weil es einfach tatsächlich so wenig zu tun gab, dass sogar Autoteppich putzen eine willkommene Abwechslung war- und weil sie alle meistens mit mir zum Einkaufen fuhren und deswegen wohl auch keinen Gestank etragen wollten. Einige gingen sogar so weit, eine Angel am Tümpel (in dem garantiert nichts leben konnte und auch nicht tat) aufzustellen, damit sie nie sagen mussten „I’m doing nothing“, sondern mit einem „I’m fishing“ auftrumpfen konnte. Auch wenn sie meterweit weg saßen und, im Prinzip, tatsächlich einfach nichts taten. Gefangen wurde natürlich nie etwas.
Ab und an gab es dann auch mal eine kleinere Party, die eigentlich nur einmal ausartete, als San Tiago seinen Abschied feierte. Zu diesem Anlass ließen auch die Asiaten wieder das äußerst uüppige und geniale Essen springen. Nach einem Bier waren die dann aber ziemlich knülle und rannten mit ihren Megakamera mit dem Megablitz umher und wollten alle ein Foto mit allen, auch mir. Nach drei Bildern konnt ich kaum noch was anderes als punte Bunkte sehen...

Judy, Joy und Eva. Man beachte den immer gleichen Winkel der Bierflaschen. Auf allen Fotos!

Vorrübergehende Beschäftigung bot neben einer einzelnen Gitarrenstunde mit dem Iren Naill, welcher tatsächlich Gitarrenlehrer war, auch ein kleines Babyentchen, welches der Taiwanese Bo irgendwo her gezaubert hatte. Clever wie sie waren, haben sie den gelben Flauschball aber in den Damm gesetzt, damit es schwimmen kann. Am ersten Abend bekamen sie es nach stundenlanger Treibjagd sogar wieder da raus, wobei einige Taiwanesen danach ziemlich schlammig und nass waren. Weil sie wirklich clever waren, haben sie das Entchen am nächsten Tag dann noch mal in den Damm gelassen und anschließend nicht mehr die Geduld des Vortages gehabt, mit den aufgestellten Angeln nach dem Tierchen zu wedeln. Am nächsten Morgen wars, welch Überraschung, weg.

Sie haben ihm sogar ein kleines zu Hause gebaut.
Für eine Suppe haben sie auch einen lebenden Truthan aus dem Ärmel geschüttelt und dem höchst unprofessionell die Kehle durchgeschnitten. Das Viech muss fürchterlich ausgeblutet sein und vor allem die Vegetarier unter den Campern waren furtchbar empört. Aber auch die anderen Zuschauer waren mindestens entsetzt. Ich habs mir nich angeguckt. Hab gelesen. Alles verpasst. Der asiatische „Hot Pot“, ähnlich dem europäischen Fondue mit der Brühe war aber so lecker, dass die Tat ziemlich schnell verziehen wurde.

Hot Pot für alle in Chinatown! (dem Block, in dem die ganzen Taiwanesen wohnten)


Tja und nach genau 3 Wochen ging es auch schon wieder zurück nach Melbourne, um ein paar Tage später auch schon den ersten Besuch in Empfang zu nehmen. Gelohnt hat sich der kleine Ausflug nach Tasmanien schon- eine sehr entspannte Zeit. Die Geldausbeute war zwar nicht so hoch, wie anfangs noch erhofft, aber da in Melbourne in dieser Zeit der Melbourne Tennis Cup war, während dem alles unverschämt viel teurer wurde, hat es sich auch geldlich durchaus gelohnt, indem ich einfach viel sparte- trotz teurer Fähre!

Achja. Irgendwann schaute ich aus dem Auto und sah das. Niemand wusste woher es kam oder wohin es ging. Hat einfach eine Weile bei uns gechillt.