Samstag, 20. April 2013

Von Weihnachten und Neujahr im Sommer



Weihnachten in Australien ist eine sehr seltsame Sache, vor allem dann, wenn man in einem so alkoholfixierten Hostel wie dem habitat wohnt. Hinzu kommt natürlich, dass es Sommer ist. Hochsommer. Also ist es heiß. Und passend zu dieser Hitze lief halb Melbourne mit diesen Weihnachtsmützchen herum und war mit dicken Weihnachtsmännern in dicken Felljacken geschmückt. Angefangen hat der ganze Spaß ja schon, als ich noch in Perth war. Da kam der erste Glitzer- und Schneeschmuck zum Vorschein. Die sind da noch früher dran, als wir Europäer. Ich persönlich arbeitete während dieser Zeit viel und fand das auch voll in Ordnung. Denn im Hostel fand ein tagelanges Saufgelage statt. Egal zu welcher Tages oder Nachtzeit man in den Gemeinschaftsraum kam, es saßen Betrunkene und solche, die es werden wollten, um die Tische, tranken, spielten, tranken, quatschten. Einige rühmten sich damit, schon seit Tagen nichts als Alkohol getrunken zu haben. Wieder andere schafften es einfach nicht mehr in ihre Zimmer und waren deswegen mehr oder weniger gezwungen weiter zu trinken. Weihnachten in Australien ist also eine einzige Party.
Dieses Ding verursachte eine größere religiöse Diskussion im Hostel, weil eine Muslimin sich deswegen diskriminiert, provoziert und beleidigt fühlte, wohingegen die französischen Besitzer sich wiederum deswegen diskriminiert, provoziert und beleidigt fühlten. Die Muslimin wechselte daraufhin erst das Zimmer, dann ihren Wohnort.

Mr. Cuddles (der Bär) war mein Weihnachtsgeschenk an Lauren, weil sie seit Wochen davon sprach, wie sehr sie einen Teddy haben wollte.
Und dieses Jahr wurde auch der bevorstehende Weltuntergang heftigst erwartet und beprostet. Der einzige Tag, an dem auch ich dem Hosteltrupp folgte. Gleich am Anfang fand ich einen Pfefferstreuer auf einer Fensterbank. Am nächsten morgen hatte ich den dann immer noch, sehr zu Freuden aller anderen Beteiligten.

Der eigentliche Weihnachtstag ist hier auch nicht der 24. Dezember, sondern der 25. Und den verbrachte ich bei einer australisch- sri lankischen Familie- nun, vielleicht gehe ich das besser chronologisch an. Auf der Arbeit lernte ich Madonna kennen. Die kam aus Indonesien und studierte in Melbourne. Ein sehr nettes, aufgewecktes Mädel, welches sofort mit allem Freundschaft schließt. Der Typ von Mensch, der sich bei der zweiten Begegnung so sehr über dich freut, dass er dir quietschend in die Arme fällt und beteuert, wie sehr er dich vermisst hätte. Jup. Auf jeden Fall fragte Madonna mich, ob ich an Weihnachten denn schon etwas vor hätte. Ich hatte mich auf ein Wurst- und Zwiebelbarbecue in meinem Hostel eingestellt, aber im Prinzip hatte ich wirklich nichts vor. Also lud sie mich auf eine „little party at my place“ ein. Das klang deutlich besser, also nahm ich das Angebot an. Zwei Minuten später kam dann raus, dass es eigentlich bei der Familie von ihrem Freund war. Seine Eltern. Seine Familie. Madonna. Und Ich. Aber ich hatte schon zugesagt und es gab keine Möglichkeit sich aus dieser Affäre elegant zu befreien. Wirklich. Es gab keine Möglichkeit.
Also traf ich mich am Vormittag des 25. Dezembers mit Madonna aus Indonesien vor ihrem Apartment, um dann mit ihrem sri lankisch- australischen Freund zu seiner Familie zu fahren, um dort mein Weihnachten 2012 zu verbringen. Kein Scheiß, das ist wirklich ganz genau so passiert. Aber es kommt noch ein kleines Stückchen härter. Als wir dann also im Haus besagter Familie eintrafen, hüpfte Madonna voraus, schob mich durch die Tür und brüllte „Hi everyone, this is Katja a friend of miiine, she is going to spend Christmas with uuuus!“
Wie sich herausstellte, hatte keiner der Familie eine Ahnung gehabt, dass ich überhaupt eingeladen wurde. Das schienen die aber schon gewöhnt zu sein, denn Madonna hatte wohl auch 2011 schon einen fremden Menschen angeschleppt. Also wurde ich herzlichst begrüßt und mir wurde von jedem Familienmitglied erzählt, dass sie deutsche Vorfahren hätten, die erst nach Sri Lanka und ein paar Generationen später dann nach Australien ausgewandert seien. Irgendwann füllte sich das Haus und der Geschenkeberg um den Weihnachtsbaum herum wucherte vor sich hin. Aber alle Anwesenden waren enttäuscht, wie wenig Leute und Geschenke dieses Jahr eintrafen. Das Jahr zuvor muss brutal gewesen sein.



Der Weihnachtsmann.

Nach der Bescherung versuchte mir die männliche Familienjugend Cricket etwas näher zu bringen. Aber jeder nicht- Australier findet Cricket für gewöhnlich ungewöhnlich lahm und langweilig und sinnlos. Besonderes Talent wies ich auch nicht auf, aber aufhören durfte ich erst, als ich den ersten Ball mit einer völlig falschen Wurftechnik auf das Garagendach pefferte. Danach gings zum Kiosk, um einen Slushi zu trinken, weils zu heiß war. An Weihnachten.

 
Am Abend gings dann zurück ins Hostel vor dem Computer zum Skypen mit Mama und Familie auf Besuch. Da konnte ich dann auch endlich mein Päckchen öffnen, welches ich Tage zuvor im Office abgeholt hatte.
Tja, und das war mein Weihnachten 2012.


Ansonsten verbrachte ich den Rest des Jahres mit Arbeiten oder Vorbereitungen für das anstehende Silvester. Bei der Arbeit wurde inzwischen eine neue, wirklich blöde Regel eingeführt: Essen war nicht mehr umsonst. Man bekam es für die Hälfte, aber nur nach fünf Stunden arbeiten. Ich habe bis heute so ein dumpfes Gefühl, dass das eventuell und unter gewissen Umständen in einem ungünstigen Licht vielleicht ein kleines bisschen auch mit auf mein bescheidenes Konto gehen könnte. Aber da auch die Köche selbst das völlig daneben fanden, gab es in den ersten Tagen erstaunlich viele „mistakes“ oder „wrong orders“ und die konnte man doch nicht einfach wegwerfen wäre ja schade drum.

Nutellagläser, die für den Restaurantbetrieb nicht mehr zu gebrauchen waren. War trotzdem noch ne Menge drin. Das große hab ich auf die Theke im Hostel gestellt. Menschen haben sich damit fotografieren lassen.


Und was Silvester anging: alle, wirklich alle, schmeissen sich da in ihre Kleidchen. Und Lauren hatte inzwischen natürlich auch mitbekommen, dass ich da nicht so der Typ für bin. Also musste ein Kleid her. Ja, wirklich. Also wurde praktisch jede freie Minute damit verbracht, verschiedene Einkaufsstrassen- und centre systematisch abzuklappern.
Neujahr verbrachten wir dann mit dem Hostelgroßteil im Hotel Barkely, was ein Club mit Dachterasse war. War ganz lustig, aber fühlte sich nicht wirklich an wie Neujahr.


Die Hostelgemeinschaft! Und die Telum hab ich extra für die Sinje ins Bild gerückt. Hrhr.

Freitag, 19. April 2013

Vom Leben in Melbourne, Arbeiten und einem kaputten Auto



Am 03.12 hatte ich dann endlich mein erster gescheites Interview. Bei einer neuen Nudel Fastfood- Kette. Es war zwar ein Gruppeninterview, aber immerhin kein Sales- Job. Das Interview selbst war dann aber leicht verschreckend. Bis auf die beiden Chefs logen alle wie gedruckt über ihre uneingeschränkte Liebe zu Nudeln und deren Herkunft. Einer konnte so wenig Englisch, dass er kaum etwas verstand. Den Job habe ich im Endeffekt dann nicht bekommen. Hätte sowieso erst im Januar angefangen.
Bis es dann endlich was mit dem Job wurde verging dann doch noch einige Zeit. Währendessen verbrachte ich die meiste Zeit im Hostel und lernte Leute kennen. Für einige Zeit war auch Adam dort. An seinem ersten Abend im Hostel hatte er Trauben dabei. Und eins kann ich euch sagen. Wenn die Gosche bis zum Anschlag mit den Dingern voll habt BEIßT NICHT ZU. Ich hab versucht Adam zu warnen, als ich es tat. Aber der hat mich dank meinem vollen Mund halt überhaupt nicht verstanden, zugebissen und wäre ebenfalls fast ertrunken.  Da kommt soviel Sabber raus, das ist unglaublich.




Am gleichen Abend schaffte es dann eine sehr durch Alkohol... angeheiterte... Kelly aus Irland (oder Schottland? Oder England? Wars am Ende doch Kanada?) den Hostelgästegroßteil auf irgendeine Weise tatsächlich zusammen auf die Chapel- Street zu pilgern, indem sie einfach jedem verklickterte, dass alle mitkommen würden, obwohl sie das ja noch gar nicht wusste.  Vor dem Hostel splitteten sich dann die reichen und die armen  Hostelbewohner. Erstere winkten sich Taxis heran und fuhren voraus (einige fuhren in den falschen Club) und mit Letzteren lief ich gut eine halbe Stunde zum ersten Club...barding. Auf dem Weg lernte ich dann den völlig verarmten Freddy aus England kennen. Er hatte noch 4 Hostelnächte und 20$ übrig, keinen Job und das ganze war so Ernst, dass er sich über jede Spermüll Matratze mit hochgerissenen Armen freute und „Free Accommodation!“ rief.
Wir sind sehr rumgekommen und St. Kilda ist schon ein schräges Viertel.
Ansonsten wurde ich von Simon als ebenfalls deutsch enttarnt, was ich ja eigentlich vermeiden wollte, um endlich mal für längere Zeit Englisch zu sprechen. Jedenfalls lernte ich durch ihn dann auch den bayrischen Simon mit den Dreads (keine Rastas! Wurde mir mehrfach erklärt) kennen. Mit denen gabs dann auch mal Kartoffelpuffer.
Ein paar Tage später quatschte er dann die (amerikanische) Lauren an, die an ihrem Taschenriemen fummelte, weil der kaputt gegangen war. Beide versuchten auf sehr krative Weise die Metallasche dann wieder gerade zu biegen, an der es haperte. Ich hatte dann Mittleid, bat die Beiden kurz zu warten, zückte meinen Autoschlüssel und kam mit Hammer und Zange wieder. Das hatte ich nämlich bei meinem Autokauf zusammen mit anderem nützlichen Zeug in meinem ‚Prakischkorb‘  erworben. Da konnte Simon mit seinem Holzlöffel aus der Hostelküche einpacken. Mein Equipment rettete die Tasche und bescherte mir einen der besten Kumpanen in meinem bisherigen Trip. Ein paar Tage später verabschiedeten sich Simon und Lukas nach Tasmanien und da auch Adam bereits fort war, verbrachte ich den Großteil meiner Melbournezeit von da an mit Lauren.

Lukas, Simon, Lauren, Phil


Wir haben zwei von den Muffins gegen zwei Bier getauscht.

Sie musste Antibiotika nehmen und konnte deswegen keinen Alkohol trinken. Die ganzen Flaschen sind nicht- alkoholischer Saft. Was ihr natürlich niemand geglaubt hat.

Anfang Dezember traf ich dann auch Wing ein paar Mal wieder ( der Chinese aus Perth) und für gewöhnlich gingen wir Pizza essen und quatschten einfach. Ein Mal musste ich ihn dann auch nach Hause fahren, weil die Bahnen dann nicht mehr regelmäßig fuhren. Dabei fiel mir dann auch auf, dass das Batterielämpchen in meinem Auto leuchtete. Ich dachte mir nicht viel dabei und am nächsten Tag sprang es nicht mehr an. Ich stiefelte in die Autovermietung, deren Parkplatz an den des Hostels grenzte und fragte, ob die irgendwas für mich tun könnten. Die organisierten dann eine Starthilfebatterie, schlossen die an und zack lief das Ding wieder. Zur Sicherheit sollte ich den Motor dann aber noch eine halbe Stunde laufen lassen. Nach 20 Minuten stotterte alles und ging dann schließlich komplett aus. Also stiefelte ich wieder dort hin und irgendwie brachten sie mein Gefährt dann sogar bis auf ihr Grundstück, wobei die Starthilfebatterie die ganze Zeit angeschlossen und auf dem Motor balancieren musste. Dank dem Mechaniker Johnny konnte der Ford dann auch dort stehen bleiben und musste nicht Tag für Tag pendeln, was ja sichtlich schwierig war. Der Autovermieter selbst war damit zwar nicht ganz glücklich, aber im Endeffekt war wirklich genug Platz und er sah dann auch ein, dass das alles sonst nur noch umständlicher wurde. Die Diagnose war dann ein kaputter Altinator (Lichtmaschine). Da musste einer bestellt werden und es war wieder ein Mal Wochenende, also verzögerte sich die Sache um ein paar weitere Tage. Aber selbst als das Ersatzteil dann da war, verschob mich der Besitzer immer wieder auf den nächsten Tag, weil es entweder zu heiß war oder regnete. Bis Johnny dann wieder eingriff und es einfach reparierte. Johnny erklärte mir dann leicht gefrustet, dass sein Chef immer alles auf eine andere Zeit verschob, bis es eigentlich schon zu spät war und es dann auf ihn abschob die Sache wieder gerade zu biegen.  Mit 300$ war die Sache dann erledigt und mein Auto fuhr wieder.
Gerade zur rechten Zeit, denn am 13.11, kurz bevor ich die Jobsuche in Melbourne aufgeben wollte, bekam ich doch noch einen Anruf und wurde gebeten, für ein Interview vorbei zu schauen. Das tat ich dann auch und schon 2 Tage später hatte ich meinen ersten Arbeitstag als Kitchen Hand in der Groove Train Burwood. Das ist so was wie ein jung- modernes italienisch orientiertes Restaurant. Die Leute dort waren alle super nett und der Chef Matthew hat mich mehrere Male nach der Bedeutung von „Schweinehund“  ausgefragt. Viele Australier kennen das Wort, finden es super und halten es für eine Beleidigung. Mein eigentlicher Job bestand zum Großteil aus dem vorspülen von Geschirr, dass dann in den Geschirrspüler kam- und dann alles, was wieder rauskam weg zu räumen. Nach einiger Zeit durfte ich aber auch Salat waschen, Zwiebeln schälen oder neue Lieferungen in den Kühlraum verfrachten!! Und weil Matthew wusste, wie sehr ich Geld brauchte bekam ich auch schön viele Schichten.
13 Stunden und 29 Minuten an meinem zweiten Tag.
Den Rest der Zeit, also wenn ich nicht arbeitete, was ich für gewöhnlich von 4PM bis circa 11PM tat, verbrachte ich mit Lauren. Mit Kaffetreetrinken (Lauren lud mich immer(!) ein) und PetShop, der süße, kleine, flauschige Babykätzchen im Angebot hatte. In dieser Reihenfolge. Viel taten wir nicht, außer ab und zu  mal nach Melbourne rein zu fahren. Und Kaffeetrinken. Und Babykätzchen. Aber wir verstanden uns blenden.



Windschutz.

Im Habitat durften auch die Gäste musizieren. Der Beste (lautester Applaus) hat dann sogar 50$ Preisgeld bekommen.





Pinguine. Ganz Wild!



Luna Park bei Nacht,

D'ooooooh Babykätzchen!!

Nach einer ganz normalen Hostelnacht.
Ich weiß auch nicht. Wirklich. das war einfach so, mitten in der Stadt.
 
Nach ungefähr zwei Wochen Arbeit, so gegen Mitternacht, als ich von Burwood zurück nach St. Kilda in mein Hostel fuhr (so ungefähr 25 Minuten fahrt), blieb dann plötzlich mein Auto stehen. Einfach so. Erst fuhrs noch und dann plupp, alles tot. Auf dem Highway. Also das Radio ging noch aber der Motor nicht. Das war ein bisschen blöd. Ein bisschen sehr. Der erste und bisher einzige ich-will-nach-Hause-Moment. Der erste Reflex war: Wut auf den Kerl, der mir den Altinator augetaucht hatte. Für 300$. Etwas verzweifelt tuckerte ich so sehr an den Rand der Hauptstraße, wie es die Karre noch schaffte, stieg aus und winkte. Ja, ich stand um Mitternacht irgendwo in Melbourne an der Straße und winkte.  Schlicht, weil ich eindach nicht wusste, was ich sonst tun sollte. Zunächst war das recht erfolglos, also stieg ich wieder ein und versuchte noch einmal zu starten. Ging nich. Gang gecheckt. War auf P.  Und, wie jeder Automatikerprobte weis, startet das Automatikauto nur, wenn es auf P gestellt ist. Perfekt. Ich versuchte zu starten. War nicht. Also Smartphone aktiviert und Lauren angeschrieben. Die aktivbierte wiederum die Hostelrezeption. Die meinte, ich solle Ploizei und Taxi rufen. Nun, wenn man ein Backpacker am Geldlimit ist, vermeidet man die sauteuren Taxis durch die halbe Stadt lieber. Also stieg ich aus, winkte und wurde fast von einem Audio überrollt. Der selbe Audi lenkte aber auch prompt ein und heraus kam ein junger Russe namens Vladimir. Vladimir arbeitete bei einem Autohändler und musste dort auch ab und zu mal unter die Motorhaube gucken. Kurz nach Vladimir kam dann auch ein mittdreißiger Inder mit, für normal sterbliche, unaussprechbarem Namen angefahren und lenkte ebenfalls ein, um zu helfen. Der gute Mann hatte mich bei meinem ersten Winkversuch gesehen, war aber zu schnell gewesen, weswegen er die erste Abfahrt genommen und dann im Kreis gefahren war, um zurück zu kommen. Nettes Kerlchen. Wir kamen auf die gloreiche Idee, dass das an der Batterie liegen könnte, aber es hatte natürlich keiner diese Starthilfekabel. Aber Vladimir wohnte ja in der Nähe und hatte da welche. Also fuhr er los und kam ein paar Minuten später mit vier Starthilfekabeln wieder, von denen nur ein tat. Welches, war offen. Also rangierte der Inder auf dem Highway und wir probierten alle durch. Danach stand fest: Die Batterie war es nicht. Also hatte der Mechaniker immerhin das richtig gemacht.  Auch wenn ich mir bis heute nicht ganz sicher bin, ob die Batterie aus dem kleinen Kleinwagen mit der Hälfte der Spannung ausgereicht hätte, wäre es doch die Batterie gewesen. Das Ding war nicht mal halb so groß wie mein Ford. Also dann auch eine etwas besorgte Anwohnerin, in deren Einfahrt sich das ganze abgespielt hatte, mal heraus schaute, stand dann fest, dass ich am Besten den RACV anrufen sollte, wie auch der Inder und der Russe schon meinten. Das freute mich natürlich nicht, weil man da natürlich Mitglied werden musste. Und Mitgliedschaften kosten. Aber es half nichts, also rief ich an. Und dann war alles gar nicht mehr so schlimm. Denn wenn man unter 21 ist, und ganz egal wie schlecht ich auch in Mathe bin, 19 ist unter 21, kostet die Jahresmitgliedschaft 49$. Dafür würde jetzt auch gleich ein Notfallauto vorbei schauen und, wenn möglich eine Diagnose stellen. Nach dem Austausch von eher mehr als weniger Personalien und Nummer (vor allem natürlich die, der Kreditkarte) war die Sache dann auch geritzt und wir warteten. Während der Inder mir solz erzählte, dass ich in Indien nach nur ein paar Sekunden hunderte von Helfern gehabt hätte und, dass die Anwohner mir auch schon allerlei köstlliche Gebäcke und Getränke für Alle gebracht hätten, flitzte Vladimir in seinem Audi los und holte an einer Tankstelle Tee. Ich war mir ziemlich sicher, dass mich die Anwesenheit von hunderten Indern auf Indiens Highway um mich und mein kaputtes Auto wirklich so entzückt hätte wie er das annahm. Dann empörte er sich noch ein weilchen über die australische Menschheit, hüpfte in sein Auto und fuhr nach Hause, weil er da jetzt wirklich hin müsse.
Inzwischen war Vladimir auch schon wieder da, samt Tee. Kurz darauf traf auch der RACV Mensch ein, diagnostizierte,  dass der Coil kaputt sei und rief den Abschlepper. Nach 5 Minuten war er wieder weg und wir warteten wieder eine halbe Stunde. Währenddessen meinte Vladimir dann, dass er wahrscheinlich einen neuen Coil bestellen und einbauen könnte. Also wurden Nummern ausgetauscht. Dann kam auch endlich der stark tattoowierte Abschlepper, zog mein Auto auf seines und brachte uns beide nach Hause- umsonst (bis auf die Mitgliedschaft natürlich)! Auf dem Weg quatschte er dann eine ganze Menge und meinte, dass ich wirklich Glück gehabt hätte, dass eine doch recht kompetente und nette Person für mich rangefahren wäre. Ihn würden die Leute bei einer Panne immer einfach stehen lassen. War ein netter Kerl, aber sah schon heftig aus, was er auch ein bisschen stolz selbst erklärte. Auf dem Hostelparkplatz rangierte er dann mit seinem Riesenlaster in Lücken herum, die ich mit meinem normalen, ‚kleinen‘ Auto nicht gewagt hätte. Aber es klappte, irgendwie.

Beim Aufladen.

Und beim Abladen.

Am nächsten Tag bekam ich dann einen Anruf von Vladimir, der Coil würde 45$ kosten und morgen da sein, wenn ich Zeit hätte, würde er mir den dann gleich einbauen. Gesagt getan, am nächsten Tag kroch ein Russe in rosa T-shirt unter und in mein Auto, steckte bis zur Schulter in der Motorhaube und tätigte nebenbei ein paar geschäftliche Anrufe. Nach fast zwei Stunden meinte er dann, dass der Coil jetzt zwar sitze, er die Schrauben aber nicht selbst festziehen könne, weil das ganze eine sehr enge Angelegenheit sei. Dazu müsste ich dann einfach kurz in die Werkstatt schauen, weil die das Auto hochheben und so ganz einfach von unten dran kommen können. Aber immerhin startete er wieder wie eine eins. Dann quatschten wir noch eine Weile und weil es inzwischen schon dunkel wurde, musste ich die Werkstattsuche auf den nächsten Tag verlegen. In der vierten war ich dann erfolgreich. Die hätten es umsonst gemacht, wenn nicht gerade Weihnachtszeit gewesen und die Werkstatt rappelvoll gewesen wäre. Also wurde mir eine Stunde berechnet. Und eine Stunde kostet 99$. Ja. Super Sache. Aber danach war mein treuer Gefährte dann auch wieder fast wie neu, nur ein bisschen älter. Und ich konnte wieder arbeiten gehen. Und als kleinen Bonus schraubten sie mir sogar mein Licht wieder an. Das fiel manchmal nämlich raus und hing dann an den Kabeln herum. Das war etwas ungünstig. Der Chef wollte es erst einfach fest tapen, aber ich konnte einen anderen netten jungen Mann dann doch von der legaleren Möglichkeit überzeugen. Seitdem sitzts.