Am 03.12 hatte ich dann endlich mein erster gescheites
Interview. Bei einer neuen Nudel Fastfood- Kette. Es war zwar ein
Gruppeninterview, aber immerhin kein Sales- Job. Das Interview selbst war dann
aber leicht verschreckend. Bis auf die beiden Chefs logen alle wie gedruckt
über ihre uneingeschränkte Liebe zu Nudeln und deren Herkunft. Einer konnte so
wenig Englisch, dass er kaum etwas verstand. Den Job habe ich im Endeffekt dann
nicht bekommen. Hätte sowieso erst im Januar angefangen.
Bis es dann endlich was mit dem Job wurde verging dann doch
noch einige Zeit. Währendessen verbrachte ich die meiste Zeit im Hostel und
lernte Leute kennen. Für einige Zeit war auch Adam dort. An seinem ersten Abend
im Hostel hatte er Trauben dabei. Und eins kann ich euch sagen. Wenn die Gosche
bis zum Anschlag mit den Dingern voll habt BEIßT NICHT ZU. Ich hab versucht
Adam zu warnen, als ich es tat. Aber der hat mich dank meinem vollen Mund halt
überhaupt nicht verstanden, zugebissen und wäre ebenfalls fast ertrunken. Da kommt soviel Sabber raus, das ist
unglaublich.


Am gleichen Abend schaffte es dann eine sehr durch
Alkohol... angeheiterte... Kelly aus Irland (oder Schottland? Oder England?
Wars am Ende doch Kanada?) den Hostelgästegroßteil auf irgendeine Weise
tatsächlich zusammen auf die Chapel- Street zu pilgern, indem sie einfach jedem
verklickterte, dass alle mitkommen würden, obwohl sie das ja noch gar nicht
wusste. Vor dem Hostel splitteten sich
dann die reichen und die armen
Hostelbewohner. Erstere winkten sich Taxis heran und fuhren voraus
(einige fuhren in den falschen Club) und mit Letzteren lief ich gut eine halbe
Stunde zum ersten Club...barding. Auf dem Weg lernte ich dann den völlig
verarmten Freddy aus England kennen. Er hatte noch 4 Hostelnächte und 20$ übrig,
keinen Job und das ganze war so Ernst, dass er sich über jede Spermüll Matratze
mit hochgerissenen Armen freute und „Free Accommodation!“ rief.
Wir sind sehr rumgekommen und St. Kilda ist schon ein
schräges Viertel.
Ansonsten wurde ich von Simon als ebenfalls deutsch
enttarnt, was ich ja eigentlich vermeiden wollte, um endlich mal für längere
Zeit Englisch zu sprechen. Jedenfalls lernte ich durch ihn dann auch den
bayrischen Simon mit den Dreads (keine Rastas! Wurde mir mehrfach erklärt)
kennen. Mit denen gabs dann auch mal Kartoffelpuffer.
Ein paar Tage später quatschte er dann die (amerikanische)
Lauren an, die an ihrem Taschenriemen fummelte, weil der kaputt gegangen war.
Beide versuchten auf sehr krative Weise die Metallasche dann wieder gerade zu
biegen, an der es haperte. Ich hatte dann Mittleid, bat die Beiden kurz zu
warten, zückte meinen Autoschlüssel und kam mit Hammer und Zange wieder. Das
hatte ich nämlich bei meinem Autokauf zusammen mit anderem nützlichen Zeug in
meinem ‚Prakischkorb‘ erworben. Da
konnte Simon mit seinem Holzlöffel aus der Hostelküche einpacken. Mein
Equipment rettete die Tasche und bescherte mir einen der besten Kumpanen in
meinem bisherigen Trip. Ein paar Tage später verabschiedeten sich Simon und
Lukas nach Tasmanien und da auch Adam bereits fort war, verbrachte ich den
Großteil meiner Melbournezeit von da an mit Lauren.
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| Lukas, Simon, Lauren, Phil |
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| Wir haben zwei von den Muffins gegen zwei Bier getauscht. |
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| Sie musste Antibiotika nehmen und konnte deswegen keinen Alkohol
trinken. Die ganzen Flaschen sind nicht- alkoholischer Saft. Was ihr
natürlich niemand geglaubt hat. |
Anfang Dezember traf ich dann auch Wing ein paar Mal wieder
( der Chinese aus Perth) und für gewöhnlich gingen wir Pizza essen und
quatschten einfach. Ein Mal musste ich ihn dann auch nach Hause fahren, weil
die Bahnen dann nicht mehr regelmäßig fuhren. Dabei fiel mir dann auch auf,
dass das Batterielämpchen in meinem Auto leuchtete. Ich dachte mir nicht viel
dabei und am nächsten Tag sprang es nicht mehr an. Ich stiefelte in die
Autovermietung, deren Parkplatz an den des Hostels grenzte und fragte, ob die
irgendwas für mich tun könnten. Die organisierten dann eine Starthilfebatterie,
schlossen die an und zack lief das Ding wieder. Zur Sicherheit sollte ich den
Motor dann aber noch eine halbe Stunde laufen lassen. Nach 20 Minuten stotterte
alles und ging dann schließlich komplett aus. Also stiefelte ich wieder dort
hin und irgendwie brachten sie mein Gefährt dann sogar bis auf ihr Grundstück,
wobei die Starthilfebatterie die ganze Zeit angeschlossen und auf dem Motor
balancieren musste. Dank dem Mechaniker Johnny konnte der Ford dann auch dort stehen
bleiben und musste nicht Tag für Tag pendeln, was ja sichtlich schwierig war.
Der Autovermieter selbst war damit zwar nicht ganz glücklich, aber im Endeffekt
war wirklich genug Platz und er sah dann auch ein, dass das alles sonst nur
noch umständlicher wurde. Die Diagnose war dann ein kaputter Altinator
(Lichtmaschine). Da musste einer bestellt werden und es war wieder ein Mal
Wochenende, also verzögerte sich die Sache um ein paar weitere Tage. Aber
selbst als das Ersatzteil dann da war, verschob mich der Besitzer immer wieder
auf den nächsten Tag, weil es entweder zu heiß war oder regnete. Bis Johnny
dann wieder eingriff und es einfach reparierte. Johnny erklärte mir dann leicht
gefrustet, dass sein Chef immer alles auf eine andere Zeit verschob, bis es
eigentlich schon zu spät war und es dann auf ihn abschob die Sache wieder
gerade zu biegen. Mit 300$ war die Sache
dann erledigt und mein Auto fuhr wieder.
Gerade zur rechten Zeit, denn am 13.11, kurz bevor ich die
Jobsuche in Melbourne aufgeben wollte, bekam ich doch noch einen Anruf und
wurde gebeten, für ein Interview vorbei zu schauen. Das tat ich dann auch und
schon 2 Tage später hatte ich meinen ersten Arbeitstag als Kitchen Hand in der
Groove Train Burwood. Das ist so was wie ein jung- modernes italienisch
orientiertes Restaurant. Die Leute dort waren alle super nett und der Chef
Matthew hat mich mehrere Male nach der Bedeutung von „Schweinehund“ ausgefragt. Viele Australier kennen das Wort,
finden es super und halten es für eine Beleidigung. Mein eigentlicher Job
bestand zum Großteil aus dem vorspülen von Geschirr, dass dann in den
Geschirrspüler kam- und dann alles, was wieder rauskam weg zu räumen. Nach
einiger Zeit durfte ich aber auch Salat waschen, Zwiebeln schälen oder neue
Lieferungen in den Kühlraum verfrachten!! Und weil Matthew wusste, wie sehr ich
Geld brauchte bekam ich auch schön viele Schichten.
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| 13 Stunden und 29 Minuten an meinem zweiten Tag. |
Den Rest der Zeit, also
wenn ich nicht arbeitete, was ich für gewöhnlich von 4PM bis circa 11PM tat,
verbrachte ich mit Lauren. Mit Kaffetreetrinken (Lauren lud mich immer(!) ein)
und PetShop, der süße, kleine, flauschige Babykätzchen im Angebot hatte. In
dieser Reihenfolge. Viel taten wir nicht, außer ab und zu mal nach Melbourne rein zu fahren. Und Kaffeetrinken.
Und Babykätzchen. Aber wir verstanden uns blenden.
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| Windschutz. |
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| Im Habitat durften auch die Gäste musizieren. Der Beste (lautester Applaus) hat dann sogar 50$ Preisgeld bekommen. |
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| Pinguine. Ganz Wild! |
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| Luna Park bei Nacht, |
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| D'ooooooh Babykätzchen!! |
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| Nach einer ganz normalen Hostelnacht. |
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| Ich weiß auch nicht. Wirklich. das war einfach so, mitten in der Stadt. |
Nach ungefähr zwei Wochen Arbeit, so gegen Mitternacht, als ich von
Burwood zurück nach St. Kilda in mein Hostel fuhr (so ungefähr 25 Minuten
fahrt), blieb dann plötzlich mein Auto stehen. Einfach so. Erst fuhrs noch und
dann plupp, alles tot. Auf dem Highway. Also das Radio ging noch aber der Motor
nicht. Das war ein bisschen blöd. Ein bisschen sehr. Der erste und bisher
einzige ich-will-nach-Hause-Moment. Der erste Reflex war: Wut auf den Kerl, der
mir den Altinator augetaucht hatte. Für 300$. Etwas verzweifelt tuckerte ich so
sehr an den Rand der Hauptstraße, wie es die Karre noch schaffte, stieg aus und
winkte. Ja, ich stand um Mitternacht irgendwo in Melbourne an der Straße und
winkte. Schlicht, weil ich eindach nicht
wusste, was ich sonst tun sollte. Zunächst war das recht erfolglos, also stieg
ich wieder ein und versuchte noch einmal zu starten. Ging nich. Gang gecheckt.
War auf P. Und, wie jeder
Automatikerprobte weis, startet das Automatikauto nur, wenn es auf P gestellt
ist. Perfekt. Ich versuchte zu starten. War nicht. Also Smartphone aktiviert
und Lauren angeschrieben. Die aktivbierte wiederum die Hostelrezeption. Die
meinte, ich solle Ploizei und Taxi rufen. Nun, wenn man ein Backpacker am
Geldlimit ist, vermeidet man die sauteuren Taxis durch die halbe Stadt lieber.
Also stieg ich aus, winkte und wurde fast von einem Audio überrollt. Der selbe
Audi lenkte aber auch prompt ein und heraus kam ein junger Russe namens
Vladimir. Vladimir arbeitete bei einem Autohändler und musste dort auch ab und
zu mal unter die Motorhaube gucken. Kurz nach Vladimir kam dann auch ein
mittdreißiger Inder mit, für normal sterbliche, unaussprechbarem Namen angefahren
und lenkte ebenfalls ein, um zu helfen. Der gute Mann hatte mich bei meinem
ersten Winkversuch gesehen, war aber zu schnell gewesen, weswegen er die erste
Abfahrt genommen und dann im Kreis gefahren war, um zurück zu kommen. Nettes
Kerlchen. Wir kamen auf die gloreiche Idee, dass das an der Batterie liegen
könnte, aber es hatte natürlich keiner diese Starthilfekabel. Aber Vladimir
wohnte ja in der Nähe und hatte da welche. Also fuhr er los und kam ein paar
Minuten später mit vier Starthilfekabeln wieder, von denen nur ein tat.
Welches, war offen. Also rangierte der Inder auf dem Highway und wir probierten
alle durch. Danach stand fest: Die Batterie war es nicht. Also hatte der
Mechaniker immerhin das richtig gemacht.
Auch wenn ich mir bis heute nicht ganz sicher bin, ob die Batterie aus
dem kleinen Kleinwagen mit der Hälfte der Spannung ausgereicht hätte, wäre es
doch die Batterie gewesen. Das Ding war nicht mal halb so groß wie mein Ford.
Also dann auch eine etwas besorgte Anwohnerin, in deren Einfahrt sich das ganze
abgespielt hatte, mal heraus schaute, stand dann fest, dass ich am Besten den
RACV anrufen sollte, wie auch der Inder und der Russe schon meinten. Das freute
mich natürlich nicht, weil man da natürlich Mitglied werden musste. Und
Mitgliedschaften kosten. Aber es half nichts, also rief ich an. Und dann war
alles gar nicht mehr so schlimm. Denn wenn man unter 21 ist, und ganz egal wie
schlecht ich auch in Mathe bin, 19 ist unter
21, kostet die Jahresmitgliedschaft 49$. Dafür würde jetzt auch gleich ein
Notfallauto vorbei schauen und, wenn möglich eine Diagnose stellen. Nach dem
Austausch von eher mehr als weniger Personalien und Nummer (vor allem natürlich
die, der Kreditkarte) war die Sache dann auch geritzt und wir warteten. Während
der Inder mir solz erzählte, dass ich in Indien nach nur ein paar Sekunden
hunderte von Helfern gehabt hätte und, dass die Anwohner mir auch schon
allerlei köstlliche Gebäcke und Getränke für Alle gebracht hätten, flitzte
Vladimir in seinem Audi los und holte an einer Tankstelle Tee. Ich war mir
ziemlich sicher, dass mich die Anwesenheit von hunderten Indern auf Indiens
Highway um mich und mein kaputtes Auto wirklich so entzückt hätte wie er das
annahm. Dann empörte er sich noch ein weilchen über die australische
Menschheit, hüpfte in sein Auto und fuhr nach Hause, weil er da jetzt wirklich
hin müsse.
Inzwischen war Vladimir auch schon wieder da, samt Tee. Kurz
darauf traf auch der RACV Mensch ein, diagnostizierte, dass der Coil kaputt sei und rief den
Abschlepper. Nach 5 Minuten war er wieder weg und wir warteten wieder eine
halbe Stunde. Währenddessen meinte Vladimir dann, dass er wahrscheinlich einen
neuen Coil bestellen und einbauen könnte. Also wurden Nummern ausgetauscht.
Dann kam auch endlich der stark tattoowierte Abschlepper, zog mein Auto auf
seines und brachte uns beide nach Hause- umsonst (bis auf die Mitgliedschaft
natürlich)! Auf dem Weg quatschte er dann eine ganze Menge und meinte, dass ich
wirklich Glück gehabt hätte, dass eine doch recht kompetente und nette Person
für mich rangefahren wäre. Ihn würden die Leute bei einer Panne immer einfach
stehen lassen. War ein netter Kerl, aber sah schon heftig aus, was er auch ein
bisschen stolz selbst erklärte. Auf dem Hostelparkplatz rangierte er dann mit
seinem Riesenlaster in Lücken herum, die ich mit meinem normalen, ‚kleinen‘
Auto nicht gewagt hätte. Aber es klappte, irgendwie.
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| Beim Aufladen. |
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| Und beim Abladen. |
Am nächsten Tag bekam ich dann einen Anruf von Vladimir, der
Coil würde 45$ kosten und morgen da sein, wenn ich Zeit hätte, würde er mir den
dann gleich einbauen. Gesagt getan, am nächsten Tag kroch ein Russe in rosa
T-shirt unter und in mein Auto, steckte bis zur Schulter in der Motorhaube und
tätigte nebenbei ein paar geschäftliche Anrufe. Nach fast zwei Stunden meinte
er dann, dass der Coil jetzt zwar sitze, er die Schrauben aber nicht selbst
festziehen könne, weil das ganze eine sehr enge Angelegenheit sei. Dazu müsste
ich dann einfach kurz in die Werkstatt schauen, weil die das Auto hochheben und
so ganz einfach von unten dran kommen können. Aber immerhin startete er wieder
wie eine eins. Dann quatschten wir noch eine Weile und weil es inzwischen schon
dunkel wurde, musste ich die Werkstattsuche auf den nächsten Tag verlegen. In
der vierten war ich dann erfolgreich. Die hätten es umsonst gemacht, wenn nicht
gerade Weihnachtszeit gewesen und die Werkstatt rappelvoll gewesen wäre. Also
wurde mir eine Stunde berechnet. Und eine Stunde kostet 99$. Ja. Super Sache.
Aber danach war mein treuer Gefährte dann auch wieder fast wie neu, nur ein
bisschen älter. Und ich konnte wieder arbeiten gehen. Und als kleinen Bonus
schraubten sie mir sogar mein Licht wieder an. Das fiel manchmal nämlich raus
und hing dann an den Kabeln herum. Das war etwas ungünstig. Der Chef wollte es
erst einfach fest tapen, aber ich konnte einen anderen netten jungen Mann dann
doch von der legaleren Möglichkeit überzeugen. Seitdem sitzts.