Weihnachten in Australien ist eine sehr seltsame Sache, vor
allem dann, wenn man in einem so alkoholfixierten Hostel wie dem habitat wohnt.
Hinzu kommt natürlich, dass es Sommer ist. Hochsommer. Also ist es heiß. Und
passend zu dieser Hitze lief halb Melbourne mit diesen Weihnachtsmützchen herum
und war mit dicken Weihnachtsmännern in dicken Felljacken geschmückt.
Angefangen hat der ganze Spaß ja schon, als ich noch in Perth war. Da kam der
erste Glitzer- und Schneeschmuck zum Vorschein. Die sind da noch früher dran,
als wir Europäer. Ich persönlich arbeitete während dieser Zeit viel und fand
das auch voll in Ordnung. Denn im Hostel fand ein tagelanges Saufgelage statt.
Egal zu welcher Tages oder Nachtzeit man in den Gemeinschaftsraum kam, es saßen
Betrunkene und solche, die es werden wollten, um die Tische, tranken, spielten,
tranken, quatschten. Einige rühmten sich damit, schon seit Tagen nichts als
Alkohol getrunken zu haben. Wieder andere schafften es einfach nicht mehr in
ihre Zimmer und waren deswegen mehr oder weniger gezwungen weiter zu trinken.
Weihnachten in Australien ist also eine einzige Party.
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| Mr. Cuddles (der Bär) war mein Weihnachtsgeschenk an Lauren, weil sie seit Wochen davon sprach, wie sehr sie einen Teddy haben wollte. |
Und dieses Jahr wurde
auch der bevorstehende Weltuntergang heftigst erwartet und beprostet. Der
einzige Tag, an dem auch ich dem Hosteltrupp folgte. Gleich am Anfang fand ich
einen Pfefferstreuer auf einer Fensterbank. Am nächsten morgen hatte ich den
dann immer noch, sehr zu Freuden aller anderen Beteiligten.
Der eigentliche Weihnachtstag ist hier auch nicht der 24.
Dezember, sondern der 25. Und den verbrachte ich bei einer australisch- sri
lankischen Familie- nun, vielleicht gehe ich das besser chronologisch an. Auf
der Arbeit lernte ich Madonna kennen. Die kam aus Indonesien und studierte in
Melbourne. Ein sehr nettes, aufgewecktes Mädel, welches sofort mit allem
Freundschaft schließt. Der Typ von Mensch, der sich bei der zweiten Begegnung
so sehr über dich freut, dass er dir quietschend in die Arme fällt und
beteuert, wie sehr er dich vermisst hätte. Jup. Auf jeden Fall fragte Madonna
mich, ob ich an Weihnachten denn schon etwas vor hätte. Ich hatte mich auf ein
Wurst- und Zwiebelbarbecue in meinem Hostel eingestellt, aber im Prinzip hatte
ich wirklich nichts vor. Also lud sie mich auf eine „little party at my place“
ein. Das klang deutlich besser, also nahm ich das Angebot an. Zwei Minuten
später kam dann raus, dass es eigentlich bei der Familie von ihrem Freund war.
Seine Eltern. Seine Familie. Madonna. Und Ich. Aber ich hatte schon zugesagt
und es gab keine Möglichkeit sich aus dieser Affäre elegant zu befreien.
Wirklich. Es gab keine Möglichkeit.
Also traf ich mich am Vormittag des 25. Dezembers mit
Madonna aus Indonesien vor ihrem Apartment, um dann mit ihrem sri lankisch-
australischen Freund zu seiner Familie zu fahren, um dort mein Weihnachten 2012
zu verbringen. Kein Scheiß, das ist wirklich ganz genau so passiert. Aber es
kommt noch ein kleines Stückchen härter. Als wir dann also im Haus besagter
Familie eintrafen, hüpfte Madonna voraus, schob mich durch die Tür und brüllte
„Hi everyone, this is Katja a friend of miiine, she is going to spend Christmas
with uuuus!“
Wie sich herausstellte, hatte keiner der Familie eine Ahnung
gehabt, dass ich überhaupt eingeladen wurde. Das schienen die aber schon
gewöhnt zu sein, denn Madonna hatte wohl auch 2011 schon einen fremden Menschen
angeschleppt. Also wurde ich herzlichst begrüßt und mir wurde von jedem
Familienmitglied erzählt, dass sie deutsche Vorfahren hätten, die erst nach Sri
Lanka und ein paar Generationen später dann nach Australien ausgewandert seien.
Irgendwann füllte sich das Haus und der Geschenkeberg um den Weihnachtsbaum
herum wucherte vor sich hin. Aber alle Anwesenden waren enttäuscht, wie wenig
Leute und Geschenke dieses Jahr eintrafen. Das Jahr zuvor muss brutal gewesen
sein.
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| Der Weihnachtsmann. |
Nach der Bescherung versuchte mir die männliche
Familienjugend Cricket etwas näher zu bringen. Aber jeder nicht- Australier
findet Cricket für gewöhnlich ungewöhnlich lahm und langweilig und sinnlos.
Besonderes Talent wies ich auch nicht auf, aber aufhören durfte ich erst, als
ich den ersten Ball mit einer völlig falschen Wurftechnik auf das Garagendach
pefferte. Danach gings zum Kiosk, um einen Slushi zu trinken, weils zu heiß
war. An Weihnachten.
Am Abend gings dann zurück ins Hostel vor dem Computer zum
Skypen mit Mama und Familie auf Besuch. Da konnte ich dann auch endlich mein
Päckchen öffnen, welches ich Tage zuvor im Office abgeholt hatte.
Tja, und das war mein Weihnachten 2012.
Ansonsten verbrachte ich den Rest des Jahres mit Arbeiten
oder Vorbereitungen für das anstehende Silvester. Bei der Arbeit wurde
inzwischen eine neue, wirklich blöde Regel eingeführt: Essen war nicht mehr
umsonst. Man bekam es für die Hälfte, aber nur nach fünf Stunden arbeiten. Ich
habe bis heute so ein dumpfes Gefühl, dass das eventuell und unter gewissen
Umständen in einem ungünstigen Licht vielleicht ein kleines bisschen auch mit
auf mein bescheidenes Konto gehen könnte. Aber da auch die Köche selbst das
völlig daneben fanden, gab es in den ersten Tagen erstaunlich viele „mistakes“
oder „wrong orders“ und die konnte man doch nicht einfach wegwerfen wäre ja
schade drum.
Und was Silvester anging: alle, wirklich alle, schmeissen
sich da in ihre Kleidchen. Und Lauren hatte inzwischen natürlich auch
mitbekommen, dass ich da nicht so der Typ für bin. Also musste ein Kleid her.
Ja, wirklich. Also wurde praktisch jede freie Minute damit verbracht,
verschiedene Einkaufsstrassen- und centre systematisch abzuklappern.
Neujahr verbrachten wir dann mit dem Hostelgroßteil im Hotel Barkely, was ein Club mit Dachterasse war. War ganz lustig, aber fühlte sich nicht wirklich an wie Neujahr.
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| Die Hostelgemeinschaft! Und die Telum hab ich extra für die Sinje ins Bild gerückt. Hrhr. |











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