Mittwoch, 2. Januar 2013

Jobsuche und PieShop

Ab dem 27. Oktober

Unser Plan war eigentlich einen Fruitpickingjob zu bekommen, also schmissen wir die Mühlen an und durchforsteten das Internet. Dabei stießen wir auch auf einige sehr skurrile Angebote.
Am ersten Tag schickten wir etwa 20 Mails raus (Copy & Paste, yay!) und waren höchst zuversichtlich. Leider wurde diese Zuversicht in den nächsten Tagen stark gestaucht, sodass wir anschließend jeder seperat irgendetwas suchten. Für Fruitpicking war es einfach nicht die Saison in der Umgebung um Perth herum. Wir dackelten sogar zu verschiedenen Agenturen, die aber alle gnadenlos überfüllt waren und sowieso keine Jobs hatten. Bis wir dann auf TheJobShop stießen. Dort konnte man sich schnell online registrieren und hatte dann eine Liste mit verfügbaren Jobs zur Hand. Die Auswahl war zwar sehr klein, aber gut. Wenn man sich dann für einen dieser Jobs interessierte musste man vor an den Thresen, damit die Mitarbeiter das Profil an die möglichen Arbeitgeber weiterleiten konnten.
Und genau das habe ich dann auch gemacht. Ein Angebot war, etwa eine Stunde östlich von Perth in einer Familie zu wohnen und in deren PieShop zu arbeiten. Obendrauf gabs auch noch Lohn. Erst sah es gar nicht gut aus, denn die junge Dame vom Thresen hatte nur kurze Zeit vorher die Resumes von drei anderen deutschen Mädels weitergeleitet (was übrigens für einige Verwirrung sorgte, da sie dachte, ich gehöre dazu und ich natürlich keine Ahnung hatte, wovon sie sprach). Letztendlich versprach sie mir mich anzurufen, falls das mit den anderen nicht klappt.
Inzwischen klapperten Lisa und ich weitere Möglichkeiten ab, sehr zu unserem eigenen Verdruss. Eine Möglichkeit wäre so ein Sales- Ding, wo man von Tür zu Tür geht und schlussendlich einen Termin mit den Bewohnern machen muss, damit dann der Cheffe dort antanzen kann und unter einem scheinbar netten Vorwand ganz viele Informationen aus den Menschen bekommt, die er dann für einen Haufen Kohle verkauft. So hat er das natürlich selbst nicht formuliert.
Gottseidank ereilte mich am nächsten Tag, während wir wieder in einer anderen völlig überfüllten Agentur anstanden, ein Anruf vom JobShop- der Job wäre doch noch frei, ich könne vorbeikommen, sollte ich noch Interesse haben. Ich hab praktisch alles stehen und liegen gelassen und bis sofort hingedackelt. Alleine. Durch Perth. Mit meinem Orientierungssinn. Und da Perth nur aus Einbahnstraßen besteht konnte mir mein Handy- Navi, welches immer denkt, ich sei ein Auto, auch nur begrenzt weiterhelfen. Habs dann aber gefunden und nach ein bisschen plaudern willigte sie dann ein, mich vor zu schlagen, weil ich mich so enthusiastisch für diesen Job zeigte. Eigentlich ja für das Geld, aber das wollte ich ihr so direkt dann auch wieder nicht unter die Nase reiben. Ich hatte ja nicht Mal eine Ahnung, was Pies überhaupt sind. Aber da auch Backwaren erwähnt wurden, dachte ich, es sei so eine Art Bäckerei.
In der Woche, die wir zuvor noch zusammen verbringen konnten, stromerten wir einfach durch Perth- sogar in ein Museum!

Oh, hai!
Jetzt wisst ihr bescheid!
Faultiiiiiiier! Beste Viecher ever.
Perth bei Nacht, vom Kings Park aus.



Oder gingen auch mal wieder aus- also abends. Oder nachts. Einmal hatten wir nicht wirklich einen Plan, trafen und dann einfach recht spontan im Hostel tranken "Tee" aus der Teekanne, um nicht ganz so verdächtig zu wirken (Milan, hat uns natürlich trotzdem erwischt und rausgeworfen, weil die Meisten gar nicht eingecheckt waren und er Gäste nicht besonders mochte. Selbst wenn sie deutsch waren.) Also zogen wir los und wollten ins Deen. Das erste Mal kamen wir nicht rein, weil wir nur unsere Ausweise, nicht aber unsere Reispässe vorweisen konnten. Der einzige verdammte Club, der einen Reisepass möchte. Spinner. Also wir zurück, Pässe geholt. Dann kamen wir nicht rein, weil Sinja Flip-Flops trug. Also Max und ich rein, Max zieht sich die Schuhe aus und ich bring sie in meiner Tasche nach draußen, zu Sinja. Das war so blöd, dass es tatsächlich klappte.





An einem anderen Tag gab es so lustige kleine Flyerchen für den gleichen Club, mit denen man freien Eintritt hatte. Was ganz gut war, denn Donnerstags gabs im Deen kostenlosen BBQ und Freibier für eine Stunde.
Wir waren eine große Gruppe. Die menge and gebunkertem Bier ist absolut gerechtfertigt.

André, Ich, Lisa, Ben.
Außerdem gabs da dann noch Halloween, welches die Australier hier ja sehr gerne feiern und diesem Kult haben wir uns dann ebenfalls angeschlossen und sind sogar extra dafür shoppen gegangen.

Das Make-Up war so eine 5 Minutenaktion und ziemlich furchtbar.


An diesem Abend lernte ich auch einen Chinesen namens Wingleung kennen. Was ganz lustig war, weil er etwa zur gleichen Zeit, wie ich nach Tasmanien gehen wollte. Also beschlossen wir, uns dort wieder zu treffen. Am nächsten Tag bekam ich dann eine e-Mail von ihm. Eine e-Mail. Warum habe ich ihm meinte verdammte e-Mailadresse gegeben? Das ist so 2002... ist mir bis heute ein Rätsel, warum ausgerechnet die e-Mail.
Und schlussendlich wusch ich auch endlich mein Autos, welches eigentlich weiß und gar nicht blassrot ist.
Sie mussten sogar zu zweit daran herumschrubben.

Und diese Schrift war auch nach dem Waschvorgang noch lesbar, sodass die arme Chinesin noch mehr daran herumrubbeln und schrubben musste. Dann mit den ganz harten Chemikalien.

Ta-daaa. Wieder weiß.
Und dann kam auch schon der Abschied, überraschend plötzlich. Lisa würde mit Ben, den wir einige Tage vorher kennengelernt hatten, und der auch im Spinners wohnte, WOOFing machen, also auf Farmen arbeiten und bei der Familie wohnen, nur eben kein Gehalt bekommen. André mit Chris gegen Weihnachten in Sydney sein und zwischendrin reisen. Max in Perth bleiben und dort auf einen IT-Job und eingergehndem Sponsorship hoffen und Sinja erst durch Australien und dann schließlich wieder nach Hause fliegen. Caro arbeitete noch ein Weilchen in ihrer Bar, um dann nach Brisbane zu fliegen, sich dort mit ihrer Freundin zu treffen, um dann püntklich zu Silvester in Melbourne zu sein- wie ich. In dieser Zeit lernten wir auch Thomas kennen, der vor 10 Jahren ein Backpacker war und nun einen Monat lang Urlaub in Australien machte- er würde einfach weiter Reisen, zunächst nach Cairns.




Am 08.11.2012

traf ich mich dann mit der Familie in einem Shoppingcenter, wenn auch nur ganz kurz, denn die Eltern hatten noch einiges zu erledigen und warfen nur ihren 16-jährigen Sohn Sean raus, damit der mir den Weg zum Haus zeigen konnte.
Und das tat er dann auch. Am Abend waren dann auch tatsächlich alle versammelt und das ganz plötzlich. Ich wusste gar nicht, wer da jetzt alles überhaupt dazu gehört. Im Endeffekt stellte sich dann heraus: Judi und Mark haben zwei Söhne, James (Bob), 21 Jahre, der irgendwie zurückgeblieben oder krank war oder so. Er hatte irgend eine Behinderung und war so eine Mischung aus Kind und Erwachsenem. Aber da er mich lustig fand und meinen Namen auch (er nannte mich dann immer Ketchup, weil er Probleme mit Katja hatte, so wie alle Australier), kamen wir gut miteinander klar. Ich bin es ja von meinem Bruder Felix gewöhnt stundenlang mit wirrem Zeug zugeplappert zu werden.


Lagerfeuer am ersten Abend.
Die Terasse.

Fernsehr- und Computerzimmer. Johan (weiß), der Bäcker aus dem Shop, Louise (dahinter) Sean (blau, auf dem Stuhl) und Sille (hinter der Tür).
Mein Zimmer

Esszimmer.
Kaputte Autos standen überall auf dem Grundstück herum. Aber das sah am übelsten aus.
Ingesamt gabs wohl über 10 Pferde, ich habe nur die beiden hier gesehen.

Neben James und Sean, der wohl sowas, wie ein Reitgenie war, denn es gab einige Zeitungsausschnitte und so über ihn und sein Club, gab es dann noch Louise, 18 Jahre, glaube ich, auch wenn ich mir da nie ganz sicher war. Sie arbeitete auch im PieShop als Bedienung.
Und neben denen gab es dann noch eine Backpackerin aus Dänemark, Sille, die Hospitality studierte und seit über einem Monat bei der Familie war. Die schien mich irgendwie nicht so sehr zu mögen und war auch eine ziemliche Prahlerin über Zeugs, das mich wenig beeindruckte. Aber mit der Zeit arrangierten wir uns und in guten Momenten hatten wir dann auch einige nette Gespräche.
Am nächsten Tag musste ich dann auch schon arbeiten. Und die hatten da so viele Pies (so kleine Teigtaschen gefüllt mit Allerlei, vorwiegend Fleisch), die auch noch alle auf den ersten Blick gleich
aussahen, dass ich einige Tage brauchte, um sie wenigstens halbwegs auseinander halten zu können.

Bacon& Egg Pie.
 Aber an sich war die Arbeit dort schon cool. Während die meisten Kunden nur auf der Durchreise waren, weil der Shop direkt am Freeway liegt, kamen einige regelmäßig und quatschten dann auch. Weil sie alt waren und Zeit und Langweile hatten. Eine Dame brachte mir dann auch mal eine Karte von irgend einem bekannten deutschen Orchester. Oder so. Und ich musste ihr dann beibringen, wie man 'Waldbühne' ausspricht. Das war nicht einfach und wirklich geschafft hab ich es auch nicht.
Das Beste an der Sache: Die Eltern gingen nach ein paar Tagen auf einen Road Trip. Für eine Woche, um irgendeinen Pferdetransportwagendings aus Sydney zu holen. Also die ganz, ganz, ganz andere Seite von Australien. Weil man sich ja auch keinen Pferdetransportwagendings in der Nähe kaufen kann. Das gute daran: Wir wurden jeden Abend von Johan, dem französischem Bäcker aus dem PieShop bekocht. Johan war 24, glaub ich und hoffte in der Küche auf ein Sponsorship, um dauerhaft in Australien bleiben zu dürfen. Deswegen musste er wohl besonders nett zu Judie sein. Gut für uns, denn kochen konnte er auch. Es gab Pizza, die beste (wirklich, die war so unglaublich hefitgst genial) Lasagne aller Zeiten, Kuchen und so weiter... eine ganze Woche lang.
In meiner Freizeit bloggte und las ich viel oder saß einfach auf der Terasse und wurde von Hühnern bedroht. Ernsthaft gruselige Tiere, wenn sie anfangen dich zu umzingeln und dabei leise, drohende "Booooooock"-Geräusche von sich geben.

Vanilla- Slice aus dem Shop.


Am 15.11.2012

kamen die Eltern dann auch schon wieder und mit ihnen irgend ein Onkel, der irgendwie ganzschön viel Interesse an Deutschland hegte, weil er dort als Jugendlicher mal Hockey gespielt hatte und die Einheimischen ihn unter den Tisch getrunken hatten. Mit ihm quatschte ich dann eine Weile, bis ich schlussendlich ins Bett gehen wollte. Auf dem Flur fing mich dann Judie (die Mutter) ab und erklärte, dass sie jemanden mit Erfahrung brauchten. Das hatte sie mir schon am ersten Tag gesagt und uns beiden war klar, dass ich nach einer Woche ganz genau eine Woche Erfahrung haben würde. Das war ihr aber wohl nicht genug und deswegen musste ich am nächsten Morgen meine Sachen packen und gehen. Mein Verdacht, der sich Dank später folgenden Facebookphotos von Sean bestätigte: Sie wollten die Backpackerin, welche vor mir schon mal da war, die dann aber wieder zurück nach Perth ging, weil sie dort angeblich einen anderen Job hatte, aus dem dann aber wohl doch nichts mehr wurde, wieder zurück nehmen. Nicht ganz fair, aber was soll man machen?
In der folgenden Nacht verprasste ich dann fleißigst das Datenvolumen der Familie. Mit Skype, YouTube und sämtlichen Downloads und Updates, die ich so in den letzten Woche aufgestaut hatte. Nur so als klitzekleine Wiedergutmachung. Und während all dem gönnte ich mir dann noch ein Corona. Ich weiß, wo der Bierkühlschrank ist.

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