Donnerstag, 1. November 2012

Autosuche


Schon während der Zeit bei Guy hatte ich eigentlich vor, ein Auto zu kaufen. Ursprünlgich wollte ich bei einem Händler kaufen und Anna aus dem Office gab mir auch eine Adresse für einen Backpacker-Auto-Händler namens AutoBarn. Sind dann auch dahin gedackelt, aber die Auswahl war stark auf einen Kombi eingeschränkt und der war völlig überteuert. Also verlagerte ich mich doch auf die Onlinesuche.
Recht schnell hatten wir dann drei Autos in der engeren Auswahl. Zwei davon Ford Falcons, ein Mitsubishi. Der Mitubishi meldete sich gar nicht, der eine Ford Falcon, der aber auch schon deutlich über 300.000 Kilometer drauf hatte, schien eines morgens keine Lust mehr zu haben und brach den Kontakt dann ebenfalls ab. Vermutlich an einen Freund verkauft oder so. Im Nachhinein hatte der mir sowieso zu viele Kilometer. Jesse aus dem Hause Guy hatte sogar einen Mechanikerfreund, der uns einen kostengünstigen Service anbot aber kurzfristig keine Zeit hatte, was uns deswegen kaum weiterhalf. Im Endeffekt blieben wir dann bei einem weißen Ford Falcon hängen, der zwar komplett mit Campingzeug ausgerüstet war, aber keine Rego hatte.
Die Rego oder eben Registration ist hier übrigens eine ganz seltsame Sache. Im Prinzip ist es der TÜV, und um die Rego überhaupt zu bekommen, muss man sein Auto einem durchaus sehr strengen Test aussetzten. Sobald man sie aber hat, kann man sie Online Verlängern. Im Halbjahresabschnitt. Zumindest wenn es eine WA (Bundesland Western Australia) Rego ist- die soll sowieso die Beste sein.
Das Problem bei diesem Ford Falcon war aber, dass mal ein Känguru dagegen gehüpft ist und deswegen ein Glas vor der Beleuchtung fehlte und eine "kleinere" Biegung in der Motorhaube zu sehen war. Da die Verkäufer aber beide den ganzen Tag über arbeiteten und ihr Auto natürlich nicht einfach rausrücken wollten, damit wir es selbst zum Test bringen konnten, klappte das einfach alles nie und wir brachten es einfach durch keinen Check. Bis wir dann einfach zu einer Rego-Stelle marschierten und dort persönlich nach einem Termin fragten. Die netten Herren schoben uns dann tatsächlich noch für den nächsten Mittag ein, obwohl wochenlang nichts frei war. Nach einer kurzen Nachfrage wegen den Kängurubeschädigungen war dann aber schnell klar, dass das Auto so wohl nicht durch die Rego kommen würde. Außerdem qualmte der Auspuff.
Der ganze Mist hatte sich inzwischen schon über eine ganze Woche gezogen, weil uns Wochenenden und dieser Feiertag in die Quere kamen. So langsam hatten wir keine Lust mehr auf warten. Wir wollten los und waren frustriert. Inzwischen hatten auch die vier Jungs ein Auto besorgt und würden damit bald nach Adelaide in den Süden zum Fruitpicking losdüsen. Zwar ohne Ausrüstung und durch die ganzen Händlergarantien deutlich teurer, als in einem Privatverkauf, aber hey. Die hatten ihr Auto.
Also während einem Pizzahut- Aufenthalt das mobile Internet befragt und weiter nach Autos gesucht. Dass das mit dem Regolosem, Känguruverbeultem Ding nicht sein sollte wurde uns in diesem denkwürdigen Moment klar. Ich blätterte mich auf meinem Riesenhandybildschirm durch seitenweise Autos und alle waren doof. Irgendwann hieß es dann "Okay, eine Seite noch, dann geben wir auf und gehen zu 'nem verdammten Händler." Also blätterte ich noch eine Seite weiter, mein Handy arbeitete, lud, baute auf und BING. Ein ebenfalls weisser Ford Falcon von 1997 mit WA-Rego, 4-Gang Automatik und Gastank. Campingequipment war, bis auf ein Zelt, ebenfalls dabei. Kühlbox, Schnorchelzeug für 3, Gaskocher, Kisten zum Verstauen, Geschirr etc... Der Kilometerstand knapp 227.000, was für so ein Auto absolut Top ist. Alle anderen waren gut 50.000+ mehr gefahren. Außerdem gelten hier diesbezüglich nicht annähernd deutsche Bedingungen. Schon in den ersten Tagen hörten wir immer wieder, dass "pretty close" gute drei Stunden Fahrt bedeuteten. Die nächst größere Stadt Richtung Süden (Adelaide) liegt lockere 3.500 Kilometer weg von Perth. Und von da aus ist es noch ein "Stückchen" nach Melbourne. Also alles etwas sehr relativ hier.
2.900$ sollte der neue Stern der Hoffnung gen Norden kosten. Habe dann sofort die Nummer rausgesucht und dem netten Menschen names Adrien eine SMS geschrieben, wie er es selbst Vorgeschlagen hatten.
Nach kurzer Zeit kam dann sogar eine Antwort. Das Auto sei noch verfügbar und wenn ich wollte, könne ich es noch am gleichen Abend anschauen. Haben wir dann auch prompt gemacht. Ein bisschen professionell getan, Ölstand nachgeschaut, Boden beleuchtet, Reifen betastet und Allerlei so Zeug. Dabei natürlich keine Ahnung gehabt. Die Probefahrt war dann auch lustig. Erstes Mal Linksverkehr. Adrien griff dann ab und zu beherzt ans Steuer, weil der Bordstein ein wenig anhänglich war. Und statt zu blinken wurden Scheiben gewischt, die haben da nämlich die Hebel vertauscht in Australien. Solche Trottel... Aber auch dem André gings genau so wie mir und der hat seinen Führerschein nicht zwei Wochen, sondern drei Jahre vor Abflug gemacht. In der Zwischenzeit litt Lisa auf der Rücksitzbank hinten links Todesängste, weil der Bordstein konsequent aufdringlicher wurde. Sie hat dann gleich erklärt in Zukunft nur noch hinten rechts zu sitzen.
Als wir dann wieder auf dem Parkplatz standen, waren ausnahmslos alle Beteiligten sehr erleichtert.
Adrien erklärte dann, dass ich das Auto aber erst am Freitag kaufen könne, weil er es die Woche über noch zum Arbeiten bräuchte. Es war Dienstag. Also verschob sich alles noch um ein paar Tage, aber ich wollte das Ding trotzdem. Am nächsten Tag bestätigte ich dann per SMS und ein paar Nächte später war auch schon Freitag.
Und am Freitag erinnerte uns der lieber Herr Spinners (übrigens kein Zufall, dass er heißt, wie das Hostel. Ihm gehört der Laden...), dass wir das Ding doch lieber mal von einem Kenner checken lassen sollten. Er hätte da einen Freund mit einer Werkstatt, nur ein paar Häuser weiter, der das für alle seine Backpacker zu einem günstigen Preis macht. Also wir hin zu dem Freund und der hatte natürlich keine Zeit bis Montag. Was ein kleines Problem war, weil Adrien vorher am Telefon gar nicht begeistert davon war, dass ich meine Meinung den Kauf betreffend geändert hatte. Hatte ich zwar nicht, aber so ganz wollte er das nicht glauben. Er meinte so lange der Check am Freitag passiert sei ja noch alles okay, aber sonst würde er den Wagen einfach noch anderen Zeigen, weil er ihn schnell loswerden wollte.
Das war dann wieder so ein Moment zum an-die-Stirn-fassen. Sind dann noch mal zu AutoBarn gegangen, was auch ganz in der Nähe war. Haben dort gefragt, ob die auch solche Checks machen. Machen sie nicht. Aber sie haben da eine Werkstatt um die Ecke, die das für ihre Autos immer macht. Die nette Dame hat dann auch dort angerufen und erst Mal klang alles recht aussichtslos. Aber nach ein bisschen belabern bekamen wir dann einen Termin für um 3 PM. Adrien willigte ein und so wurde das Auto doch noch am Freitag gecheckt.
Währenddessen machten Lisa und ich uns auf in die Innenstadt, um nach einem Zelt zu gucken und so. Knapp zwei Stunden später rief die Werkstatt dann an, sie sei fertig.
Das Ergebnis war einsereits erfreulich, andererseits ernüchternd. Im Prinzip war das Auto, vor allem für sein Alter, in einem Topzustand. Der Kerl aus der Wekstatt war wirklich begeistert. Lediglich die Vorderbremsen und einige andere Kleinigkeiten müssten gemacht werden. Es gab auch ein paar kleine Öllecks, die aber nicht weiter schlimm seien und zu diesen Backpackerautos einfach dazugehören. Der Kostenvoranschlag belief sich aber auf 630$. Das war ernüchternd. Adrien meinte dann, dass er da einen Mechaniker gleich um die Ecke kenne... Und wie sich herrausstellte gab es in dieser Ecke tatsächlich jede Menge Mechaniker. Seiner war aber zu, da inzwischen Feierabendzeit war. Und wenn die Mechaniker hier auch sonst nichts wirklich tun, machen sie ihren Feierabend gut und pünktlich. Wir sind dann nochmal zu dem Spinnerfreund-Mechaniker gegangen, um dort einen Kostenvoranschlag für die notwendigen Reparaturen zu bekommen. Der sah sich die Liste an und war erst Mal begeistert in was für einem Zustand der Wagen noch sei. Und siehe da, der machte einiges für die Hälfte (natürlich ohne die anderen Preise gesehen zu haben, so klug waren wir dann doch). Insgesamt ging der Preis dann auf 340$ runter.
der inzwischen leicht angesäuerte Adrien versprach dann, mir den Wagen für 2750$ zu verkaufen (denn natürlich hatte ich das alles als Verhandlungsbasis genutzt) und die Reparaturkosten bei seinem Mechaniker auf 300$ zu drücken und ansonsten noch etwas mit dem Verkaufspreis nach unten zu gehen. Darauf schlugen wir ein und dann kam das Wochenende.
Am Montag trafen wir uns dann bei besagtem Mechaniker, der sah sich die Liste an und war erst Mal begeistert in was für einem guten Zustand der Wagen noch sei. Und der machte dann Alles für 255$.
Das Auto blieb dann über Nacht gleich bei ihm stehen, weil er am nächsten Morgen Zeit dafür hatte. Und tatsächlich, am nächsten Nachmittag, den 09. Oktober 2012 kaufte ich dann einen wunderbaren weissen Ford Falcon.

Das erste Bild.
Lediglich den Zigarettenanzünder musste ich noch reparieren lassen, um Sachen aufladen zu können. Das ging dann aber in der Werkstatt, in der ich auch den Check hatte machen lassen, noch am selben Nachmittag.
Gottseidank hielt das dann auch stolze zwei Tage. Ja. Vielleicht haben wir es damit auch ein bisschen übertrieben. Irgend so ein Gerät angeschlossen, mit dem man Laptops und dergleichen laden kann. An dieses Ding dann einen Adapter, damit deutsche Stecker passen. Und an diesen Adapter dann eine deutsche Steckerleiste. Und an diese Steckerleiste dann zwei Laptops, zwei Kameras und die ganzen Handys. Nach fünf Minuten war dieses Ding unglaublich heiß gelaufen und ging dann irgendwann aus. Seitdem funktioniert der Zigarettenanzünder nicht mehr... Und es liegt nicht an der Sicherung. Sobald wir wieder in Perth sind, geh ich erst Mal zur Werkstatt und reklamier das mit Hilfe einer 'leicht' verdrehten Wahrheit.
Aber sonst ist das Auto bisher gelaufen wie eine Eins und ich finde, ich hab das gut gekauft. Ich mag mein Schiff, denn eins ist es definitiv: Riesig. Das bringt mich bis ans Ende der Welt- und zurück.
Hoffentlich.

In den Pinnacles
Ein hübscher Rücken...
Herumposerei.
Ein Palmendach.

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